Begeisterung als Lebenselixier

Bearbeitet von: Redaktion Erfahrungsschatz

 

„Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, mit dem Sie damals als kleines Kind unterwegs waren? Mit dieser unglaublichen Offenheit, mit dieser Gestaltungslust und Entdeckerfreude und vor allem: mit dieser den ganzen Körper durchströmenden Begeisterung über sich selbst und über all das, was es damals für Sie zu entdecken und zu gestalten gab“, fragt der Autor und Neurobiologe Professor Gerald Hüther seine Leser in seinem Buch:„Was wir sind und was wir sein könnten“. Wo ist sie nur geblieben, unsere Begeisterungsfähigkeit. Was bewirkt sie? Lässt sie sich reaktivieren? Und falls ja – wie?

 

Begeisterung als Dünger fürs Hirn

Wenn uns etwas begeistert, gelingt es uns meist auch. Wenn wir schon beim Gedanken ans Segeln in Euphorie geraten, werden wir nicht nur Mittel und Wege finden, möglichst bald wieder in See zu stechen, wir lernen auch ganz schnell, richtig zu navigieren und die Windrichtung  zu bestimmen. Mit dem Schwung der Begeisterung geht alles so viel leichter …

Hüther erklärt das Phänomen neurobiolologisch: „Jeder dieser kleinen Begeisterungsstürme führt gewissermaßen dazu, dass im Hirn die Gießkanne mit dem Dünger angestellt wird, der für alle Wachstums- und Umbauprozesse von neuronalen Netzwerken gebraucht wird.“

Kurz: Jeder kleine Sturm der Begeisterung führt dazu, dass im Hirn ein selbsterzeugtes Doping abläuft. Plötzlich ist es wieder da, das alte Gefühl aus der Kindheit, das uns half, Radfahren, Fußballspielen oder Schwimmen zu lernen und vor allem – das Leben mit jeder Faser unseres Körpers zu genießen.

 

Begeistert durch Erfahrungen

Im Laufe der Zeit nehmen die Begeisterungsstürme meistens leider ab: „Indem wir älter werden, Erfahrungen sammeln und unsere Lebenswelt nach unseren Vorstellungen gestalten, laufen wir also zunehmend Gefahr, in eingefahrenen Routinen stecken zu bleiben, im Hirn einzurosten“, schreibt Hüther. Kreativität, Lebensfreude, Entdeckerlust und Gestaltungskraft gehen mehr und mehr verloren. Stattdessen erleben wir uns zunehmend als ohnmächtig und fremdbestimmt, die angst- und stressbedingten Erkrankungen nehmen zu.

Abnehmende Begeisterung wird zum Gesundheitsrisiko.

Festgefahren im Kreislauf einer oft schmerzlichen Routine sind wir alles andere als begeistert. Wie kommen wir da wieder raus? „Durch neue Erfahrungen!“, so Hüther. Eingefahrene Körperhaltungen, alte Bewegungsmuster und Verhaltensweisen müssen durch neue ersetzt werden. Wir wollen wieder etwas erleben, um unsere Gestaltungskraft und Entdeckerfreude zu stimulieren, um unser Hirn wieder auf Begeisterungskurs zu bringen. Das Alter spiele dabei eine untergeordnete Rolle. In einem Interview nannte Hüther das fiktive Beispiel eines Senioren, der sich in eine Chinesin verlieben – und voller Begeisterung noch mal Chinesisch lernen wollte.

 

Die Sprache der Begeisterung

Sprachwissenschaftler erforschen das Zusammenspiel von Sprache und Gefühl. Wir kennen es aber auch selbst sehr gut.

„Wie geht es Dir?“ „Jooo, ganz gut eigentlich“. Konversationen dieser Art werden weder Sie noch Ihr Gegenüber begeistern. Lautet die Antwort aber „Mir geht es ausgezeichnet. Ich bin zurzeit voller Tatendrang und könnte die Welt aus den Angeln heben“, bekommt das Gespräch garantiert einen anderen Verlauf, Begeisterungsstürme nicht ausgeschlossen.

Sprache beeinflusst in erheblichem Maße unser Gefühl und unsere Wahrnehmung. Bestimmte Sprachmuster können uns selbst die Begeisterung rauben. Wenn wir immer alles als „schrecklich“, „ekelhaft“ oder „schlimm“ bezeichnen, werden wir uns auch entsprechend fühlen. Die gute Nachricht ist: Wir können unsere Sprache mit begeisterungsstiftenden Vokabeln aufladen und destruktive Sprachmuster ändern. Aus „ich hasse“ wird „ich ziehe etwas anderes vor“, aus „gestresst“ wird „beschäftigt“ und aus „Du bist dumm“ wird „das war ungeschickt“. Worte beflügeln – wenn man nur die richtigen wählt.

 

Was kann Sie richtig begeistern? Wie versetzen Sie Ihre Neuronen in Euphorie? Mit welchen Mitteln aktivieren Sie Ihre Begeisterungsfähigkeit?

 

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