Stilprägende Designer

Bearbeitet von: Redaktion Erfahrungsschatz.net

 

Mode ist weit mehr als Kleidung. Sie ist immer auch Aufschrei, Befreiungsschlag, Zeitgeist.

 

Charles Frederick Worth erfand sich als Couturier und die Mode als geschäftsankurbelnden Wechsel von Trends. Chanel befreite die Frauen von den aufgerüschten und eingeschnürten Zwängen der Belle Époque. Dior gab ihnen nach entbehrungsreichen Kriegsjahren die Sehnsucht nach überschwänglicher Eleganz zurück. Mary Quant erhob die Jugend zum Kult und Armani stilisierte sich zum Markenzeichen für italienische Lässigkeit.

Heute trägt jeder, was er möchte. Die Ästhetik unterwirft sich nicht selten der Bequemlichkeit. Und doch zehren wir auch beim täglichen Griff in den Kleiderschrank von der Schneiderkunst und Kreativität vergangener Epochen. Erfahrungsschatz stellt einflussreiche Modedesigner vor, die die Mode revolutionierten und bis heute Trends setzen.

 

Charles Frederick Worth (1826 – 1895)

Schöne Kleider gab es wohl in jeder Epoche, aber die Mode als stetiger Wechsel von Trends ist eine moderne Erfindung. Zuvor diktierte der Stand, was man zu tragen hatte. Und der Adel beschäftigte Handwerker, die nach ihrem Gusto zu entwerfen hatten.

Charles Frederick Worth war der erste, der sich nicht als Handwerker, sondern als Künstler verstand. Nicht länger wollte er nur Lieferant Ihrer Kaiserlichen Hoheit Eugenie sein und in der Masse der namenlosen Schneider untergehen. Also begann er seine Kreationen zu signieren, als sei er ein Star.

Damit wurde er zum ersten modernen Couturier, zu einem Designer, der mit seinen Entwürfen gleichzeitig eine eigene Marke kreierte. Seine Seidentüllentwürfe mit Handstickerei machten ihn bekannt. Revolutionär war aber weniger seine Mode als vielmehr seine Gabe, sich selbst zu vermarkten. Indem er Stars und große Anlässe nutzte, um seine Entwürfe bekannt zu machen, erfand er Marketingmechanismen, die auch heute noch bestens funktionieren. Sarah Bernhardt und Eleonora Duse, die größten Bühnenstars ihrer Zeit, präsentierten 1900 auf der Weltausstellung die Entwürfe des Visionärs. Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sissi, ließ sich in einem Worth-Kleid auf einem Gemälde verewigen. Neu war auch, dass Worth jährlich eine Kollektion präsentierte und somit zum Vorreiter der Modeindustrie wurde. Nicht mehr die Kundin gab das Design vor, sondern der Couturier, der mit stets neuen Entwürfen die Lust auf Neues anheizte.

Kaum einer kennt Worth, aber ihm verdanken wir die Ära der Designer und Labels. Mittlerweile lebt eine globale Maschinerie vom Spaß am kreativen Wechsel.

 

Coco Chanel (1883 – 1971)

Beweglichkeit ist Macht. Instinktiv erkannte Chanel einen wichtigen Grundsatz der Moderne. Manche behaupten, sie habe die Frauen vom Korsett befreit, doch das taten vor ihr auch andere. Cocos Verdienst war eine Mode, die Frauen Bewegungsfreiheit schenkte, ohne ihnen ihre erotische Anziehungskraft zu nehmen. Dabei schuf sie Klassiker, die die Couturiers noch heute zu Nachahmungen inspirieren.

Die Designerin hatte alles andere als einen leichten Start. Da die Mutter früh verstoben war und der Vater als Straßenverkäufer durch die Gegend zog, landete sie in einem Waisenheim. Lieblosigkeit und Härte prägten die Jugend der jungen Coco, die damals noch Gabrielle hieß. Sie lernte nähen und wurde zur Überlebenskünstlerin, bevor ihr reiche Liebhaber den Weg zum eigenen Modeatelier ebneten. Die aufgerüschten Damen der Belle Époque, die sich mit hohem Busen, schmaler Taille und ausgestellten Hinterteil wie eingepackte Pralinées zur Schau stellten, passten nicht ins Weltbild der emanzipierten Frau. Selbst schlank und sportlich wie ein Junge, wollte sie Kleidung, die so gut sitzt, dass man sie getrost vergessen und sich ganz auf sein Leben konzentrieren konnte. Chanel machte Mode für Frauen, die wie sie ein selbstbestimmtes Leben führten und das auch in ihrer Kleidung zum Ausdruck bringen wollten. Wer ihre Entwürfe trug, spürte den frischen Wind der neue Ära.
Das typisch unsterbliche Chanel-Kostüm aus federleichten Tweed mit Borten und mit kniebedeckendem Rock schuf sie erst im hohen Alter von 72 Jahren.

„Mode ist nicht etwas, das nur in Kleidern existiert“, sagte Coco Chanel und erkannte damit ihren zeitlosen Reiz: Wir tragen, was wir sein möchten.

 

Christian Dior (1905 – 1957)

Ein Raunen ging durch die Menge als am 12. Februar 1947 Frauen mit zarten Taillen in ausladend weiten Röcken über die Laufstege schwebten. Christian Dior präsentierte seine erste Kollektion. Die Nachkriegsjahre waren karg, wie an allem wurde selbstverständlich auch am Stoff gespart. Wie konnte dieser Dior es wagen, so sündhaft viel Stoff zu verschwenden! „Your dresses have such a new look“, sagte Carmel Snow, die damalige Chefredakteurin von Harper’s Bazaar als sie dem schüchternen Couturier gratulierte – und gab dem neuen Stil en passant seinen Namen. Fortan waren die Frauen verrückt nach dem „New Look.“ Das war genau die Art von Luxus, nach der sich viele gesehnt hatten. Dabei ähnelten die enggeschnürten Taillen und die langen weiten Röcke an die Mode des 19. Jahrhunderts! Die Warenhäuser imitierten schnell die begehrten Modelle, sodass sie auch für die normale Bürgerin erschwinglich wurden.

1958 kam Dior mit einem weiteren Geniestreich, dem Cocktailkleid. Mit dem tiefen Dekolleté einer Abendrobe und der gemäßigten Länge eines Nachmittagskleids schuf er eine vielgeliebte Kreation, die die Frauen fortan ins Theater, zum Tanztee oder zu Partys begleitete. Dior wurde zum umjubelten Star der Modeszene – und blieb es bis zu seinem plötzlichen Herztod 1957. Mit nur 52 Jahren hinterließ der Geschäftsmann ein Modeimperium mit eigener Parfum- und Accessoire-Linie.

Dior verkörpert bis heute eine zeitlose Sehnsucht nach Anmut, Eleganz und Schönheit.

 

Mary Quant (1943)

Der Testosteronspiegel der Männer musste steil in die Höhe geschossen sein, als plötzliche hippe Teens in superkurzen Miniröcken Londons Straßen unsicher machten. Die schlichten Kleidchen ließen sich ganz einfach nachnähen, von großer Couture keine Spur. Eleganz und war das letzte, was Jugendliche wollten, Es ging darum, sich neu zu erfinden, der stickigen Enge des Bürgertums zu entfliehen und möglichst viele Tabus zu brechen. Dabei wollte man auf keinen Fall so aussehen wie die eigenen Eltern. Perfekt verkörpert wurde der Jugendkult-Look durch Twiggy, übersetzt „dünnes Zweiglein“. Die 16-Jährige, nur 90 Pfund schwere Engländerin stieg mit großen Unschuldsaugen und staksigen Beinen zum ersten Supermodel auf.

25 Jahre alt war Mary Quant, als sie 1955 in der Kings Road ihre kleine Boutique „Bazaar“ eröffnete. Wahrscheinlich wird es nie mit Gewissheit geklärt sein wer nun wirklich den Mini erfand – Mary Quant oder André Courrèges. Quant war es aber, die kindlich wirkende Mannequins, die im Minirock zu Popmusik tanzten durch die Staaten schickte und so einen PR-Coup landete. Plötzlich wollte von der Hausfrau bis zur Adeligen jeder das skandalöse Kleidungsstück, war der Vatikan auch noch so empört. Die Jugend wurde erstmalig zum gesellschaftlichen und modischen Leitbild. Hip war jetzt das, was junge Leute auf der Straße trugen, hier wurden die Trends gemacht. Die etablierten Modehäuser aus Paris hinkten nur noch hinterher.

Quant war auch die erste, die PVC für Mäntel und Stiefel verarbeitete. Plastik für Accessoires und Kleidung passten zum optimistischen Blick in die Zukunft und der neuen Faszination für die Raumfahrt. Unkompliziert, poppig und vor allem jung war Quants Look, mit dem sie ein weltweites Modeimperium begründete. Eine Dekade lang traf sie mit immer kürzeren Röcken, Hosenanzügen, Hot Pants, farbigen Strumpfhosen und Hüftgürteln den Nerv der Zeit. Aber auch Make-up, Dessous und Heimtextilien zierten ihr schwarzes Popblumen-Logo. Sogar die Haarmode revolutionierte Quant, indem sie in Zusammenarbeit mit Vidal Sassoon einen Fünf-Punkte-Haarschnitt erfand. Von der Mitte des Oberkopfes ausgehend, liefen die Haare schmal und spitz auf fünf Punkte zu und saßen perfekt wie ein futuristisch-anmutender Helm.

Quant verdanken wir modisch gesehen den Jugendkult, die Faszination für den Futurismus und die Lust an der Provokation.

 

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