Sportmedizin und Prävention von Gesundheitsschäden

Bearbeitet von: Dr. Jens Stening, Diakonie Krankenhaus kreuznacher diakonie

 

Angepasste sportliche Aktivität gilt in der medizinischen Fachwelt als eine der effektivsten und nebenwirkungs- ärmsten Maßnahmen in der Prävention von Gesundheitsschäden.  Der Sporttherapie kommt eine entscheidende Rolle in der Vermeidung von Herz-Kreislauferkrankungen wie der Arteriosklerose und dem Herzinfarkt oder kardiovaskulären Risikofaktoren wie der Dyslipoproteinämie (ungünstiges Fettverteilungsmuster im Blut), der Insulinresistenz oder der Adipositas zu. Das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls kann durch angepasste sportliche Aktivität entscheidend gesenkt werden. 

 

Vermeidung von Todesfällen

Betrachtet man die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2009, so ergeben sich ca. 43% aller Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen (z.B. chonisch ischämische Herzkrankheit, Myocardinfarkt, Herzinsuffizienz), ca. 26% durch Krebserkrankungen (z.B. Dickdarm-CA, Mamma-CA) und ca. 7% durch Erkrankungen des Atmungssystems (z.B. Lungenentzündung, chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Angepasste sportliche Betätigungen haben heute einen festen Platz in der Prävention und Therapie der Erkrankungen dieser „Todesliste“.


Die Anzahl von plötzlichen Todesfällen im Sport im verblasst dagegen, auch wenn durch die mediale Aufarbeitung gerade diese Fälle im Gedächtnis der Bevölkerung bleiben.  Es wird mit 0,5 bis 2 Todesfällen bei Sportlern pro 100.000 Sportler/Jahr gerechnet. Diese Todesfälle betreffen überzufällig Sportler mit folgendem Risikoprofil: männliches Geschlecht, Alter über dem 35. Lebensjahr und hohe Intensität der sportlichen Betätigung bei Einsteigern /Wiedereinsteigern im Sport. Das seltene Ereignis von Todesfällen im Sport könnte durch systematische sportmedizinische Gesundheitsuntersuchungen sicher noch weiter reduziert werden. Man muss sich weiterhin vergegenwärtigen, dass mehrere 10.000 Patienten pro Jahr durch eine angemessene sportliche Betätigung und einen aktiveren Lebensstil dem Tod hätten entrinnen können, ohne dass das Gesundheitssystem durch große Kosten belastet wäre. Aber es gilt sicher nicht nur dem Leben weitere Jahre anzuhängen. Vielmehr kann ein angepasster sportlicher Lebensstil den Jahren im Alter mehr Leben geben!


Die Sportmedizin hat in den letzten Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizenz, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Tumorerkrankungen, Osteoporose, Depression oder Demenz durch regelmäßige körperliche Aktivität ihre Prognose gegenüber einer alleinigen medikamentösen Therapie verbessern konnten. Sporttherapeutische Aspekte haben damit bei vielen medizinischen Fachgesellschaften in eine leitliniengerechte Behandlung Einzug gehalten. Die sportmedizinischen Empfehlungen sollten sich ausdrücklich an der evidenzbasierten Medizin oder anders ausgedrückt,  an dem besten verfügbaren wissenschaftlichen medizinschen Wissen, orientieren.

 

Ebenen der sportmedizinischen Präventionsmaßnahmen

Sportmedizinische Präventionsmaßnahmen finden auf drei Ebenen statt:

 

Primäre Prävention

Die Primäre Prävention greift vorbeugend beim Gesunden an und hat das Ziel, gesundheitsschädigende Faktoren in einem Stadium zu erkennen und auszuschalten, in welchem es noch zu keinen subjektiven oder objektiven gesundheitlichen Einschränkungen gekommen ist. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Krankheiten kann so vermindert werden. Die sportmedizinischen Interventionen setzten hier sowohl auf eine Reduktion von Gesundheitsbelastungen als auch auf eine Stärkung von Gesundheitsressourcen. Die viel zitierte und wohl zu selten praktizierte umfassende und ganzheitliche Behandlung des Patienten kann in der Sportmedizin realisiert werden.


Ein Beispiel für diese primären Präventionsmaßnahmen sind die umfassenden sportmedizinischen Gesundheitsuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen, die den Leistungskadern des Deutschen Olympischen Sportbundes angehören. Für diese Sportlergruppe werden regelmäßige  präventive Gesundheitsuntersuchungen durchgeführt, um spätere gesundheitliche Einschränkungen auszuschließen und die sportliche Weiterentwicklung zu unterstützen. In diesem Rahmen erfolgen auch Aufklärungsmaßnahmen zur Dopingprävention. Was Hänschen als unklug erkannt hat wird Hans dann hoffentlich später auch nicht praktizieren.

Grundsätzlich stehen diese Gesundheitsdienstleistungen auch jeder interessierten Privatperson im Rahmen von individuellen Gesundheitsleistungen offen, wobei diese umfänglichen Untersuchungen und Beratungen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

 

Sekundäre Prävention

Die sekundäre Prävention greift in der Frühphase von Erkrankungen, in denen subjektiv häufig noch keine gesundheitlichen Einschränkungen wahrgenommen werden jedoch objektiv bereits Frühzeichen einer Erkrankung bestehen. Zu diesen Maßnahmen gehören die wiederkehrenden sportmedizinischen Untersuchungen bei Sportlern, bei denen beispielsweise Frühformen und Funktionsstörungen des degenerativen Gelenkverschleißes (Arthrose) beschrieben wurden. Durch entsprechende Behandlungsmaßnahmen oder belastungssteuernde Prozesse im Sport kann so das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder verhindert werden. Evtl. werden die sportlichen Ambitionen zu besser geeigneten Sportarten umgelegt. Selten resultiert ein Sportverbot, das meist nur zeitlich begrenzt ist.

 

Tertiäre Prävention

Im Rahmen der tertiären Prävention werden bei bestehenden Erkrankungen sportmedizinische Maßnahmen zur Vermeidung der Chronifizierung und zur Verhinderung von Rückfällen (Rezidiven) ergriffen. Es sollen Folge- und Begleiterkrankungen vermieden. Wurde bei einem Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter durch eine Arthrose die Implantation einer Hüftgelenkprothese notwendig, so besteht bei vormals aktiven Sportlern nach erfolgreicher Operation häufig der Wunsch zur Ausübung sportlicher Aktivitäten.  Hier ist eine entsprechend fundierte sportmedizinische Analyse, Beratung und Anleitung notwendig. Dem speziellen Beratungsbedarf, der über das übliche Leistungsangebot der Gesundheitsdienstleister hinausgeht, kann in dem Sportmedizinischen Untersuchungszentrum der kreuznacher diakonie am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland in Bad Kreuznach entsprochen werden.


Im Rahmen der kassenärztlichen Operationsindikationssprechstunde können Patienten mit entsprechenden sportorthopädischen Fragestellungen vorgestellt werden. Hier kann oftmals bereits nach einer klinischen Untersuchung im Rahmen eines Beratungsgesprächs ein Behandlungsweg aufgezeigt werden, der auch spezielle sportmedizinische Behandlungsoptionen berücksichtigt und dem Präventionsgedanken der Sportmedizin gerecht wird.

 

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