Neue Verbindungen für alte Neuronen
Bearbeitet von: Gruner + Jahr
Das Leben ist mehr als ein Hamsterrad. Wer dem ewig wiederkehrenden Kreislauf des Alltags entkommt, tut nicht nur sich, sondern auch seinem Kopf etwas Gutes. Das Brechen von Routinen hält den Denkapparat beweglich. Unser Hirn kann bis ins hohe Alter wachsen. Wie ein Muskel braucht es dazu Training und neue Herausforderungen.

Unser Gehirn ist kein statisches Gebilde. Ständig werden neue Netze aufgebaut und nicht mehr benötigte Verbindungen allmählich gelöst. Dank dieser Flexibilität kann der Geist stetig Neues aufnehmen. Dabei werden oft ganz unterschiedliche Hirnbereiche gefördert. Wer beispielsweise Gitarrespielen lernt, tut gleichzeitig auch viel für seinen Kopf: Noten lesen, die Finger steuern und die angeschlagenen Töne akustisch verarbeiten erfordert ein virtuoses Zusammenspiel verschiedener Hirnareale.
Das Gehirn kurzerhand umstricken
Der Umgang mit einer neuen Sprache ist ein effektives Mittel, um alle Hirnstrukturen, die bei Lernen und Gedächtnis eine Rolles spielen, zu aktivieren. Der Lernende muss sich neue Laute und Wörter einprägen und stellt dabei automatisch Verknüpfungen zu Bekanntem her. Die Grammatik erfordert logische Schlussfolgerungen, das Fehlen von Vokabeln Erfindungsreichtum und die Anwendung der Sprache geistige Wendigkeit. Wer das neu Erlernte darüber hinaus im fremden Land erprobt, und dabei gleichzeitig die Gegend erforschen und sich auf neue Gepflogenheiten einstellen muss, strickt sein Gehirn kurzerhand um. Wie bei einem Kleinkind gehen die Neuronen vielfach neue Verbindungen ein und erschließen ungewohnte Welten. Der vielfach geforderte Sprachschüler hat nach der Heimkehr nicht nur seinen fremden Sprachschatz erweitert, er ist auch insgesamt geistig flexibler geworden.
Gegen den Uhrzeigersinn leben

Erkenntnisse von Neurowissenschaftler belegen, dass vor allem Veränderungen die grauen Zellen auf Trab bringen. Tatsächlich wirken Menschen, die mitten im Leben stehen und täglich viele unterschiedliche und oft neue Herausforderungen bewältigen müssen, meist jünger und geistig wacher als jene, die in immer gleichen Bahnen denken und agieren. Jeder Sinneseindruck aktiviert zahlreiche Nervenzellen, die miteinander verschaltet sind. Was hält uns also davon ab, dem Kopf zuliebe tanzen zu gehen, segeln zu lernen oder eine Weltreise zu planen? Das Alter?
Dafür gibt es keinen Grund. Selbst wenn wir alt wären wie Methusalem, könnten wir uns jung verhalten – und hätten dabei sogar den Segen der Wissenschaft. Die amerikanische Sozialpsychologin und Harvard-Wissenschaftlerin Ellen Langer bewies in einer Reihe von Experimenten, dass man tatsächlich so alt ist, wie man sich fühlt. So schickte sie etwa eine Gruppe von Männern um die 80 auf eine fiktive Zeitreise. Alle sollten sich so verhalten, als seien sie 20 Jahre jünger. Schon nach einer Woche waren die Probanden tatsächlich agiler, konnten besser hören und schärfer denken. Die Forschungsergebnisse fasste Langer in ihrem Buch Counterclockwise, zu Deutsch etwa Gegen den Uhrzeigersinn (das Werk erschien bislang nur in englischer Sprache), zusammen. Warum also nicht ein wenig gegen den Uhrzeiger leben – und dabei gleichzeitig die Schaltzentrale in die Gänge bringen.
So bringen Sie Ihre grauen Zellen auf Trab
Es ist nie zu spät, ein Instrument zu lernen – und nebenbei Ihr strategisches Denken zu fördern. Gerade bei Anfängern aktiviert die musikalische Beschäftigung Hirnareale, die mit Planung, Steuerung und Programmierung zu tun haben.
Wer eine Fremdsprache erlernt oder auffrischt, beansprucht den Geist in vielerlei Hinsicht. Vielleicht haben Sie Lust, sich dabei gleichzeitig auf eine neue Kultur einzulassen und ihren Horizont so doppelt zu erweitern.
Sport hält nicht nur den Körper in Schwung, sondern auch die Hirn-Neuronen in Bewegung. Besonders Kampfsport wie Karate und Judo und Ballspiele fordern den Kopf.
Wer das Tanzbein schwingt, bringt auch die grauen Hirnareale in Bewegung. Motorik, Konzentration und Kreativität sind gefordert. Oftmals wird zugleich der spielerische Umgang mit dem anderen Geschlecht trainiert.
Mit Verstand essen macht Sinn. Nicht nur die geistige Nahrung ist wichtig, um dem Denkapparat effektiv in Gang zu setzen. Auch die richtigen Nährstoffe treiben die Kommunikation zwischen den Nervenzellen an.
Das Brechen von Routinen hält den Kopf wach. Mal etwas ganz anders machen als sonst. Wer sich auf unbekannte Situationen einlässt und neue Herausforderungen sucht, erfrischt den Geist.

Videodokumentation: Rücksicht auf andere sorgt für große Gehirne
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