Städtereise: Prag

Bearbeitet von: Redaktion Erfahrungsschatz


Die Heimat von Franz Kafka und Rainer Maria Rilke ist voller Kontraste, hier trifft „morbider Charme“ auf pulsierende Avantgarde und eine lebendige Kunst- und Designerszene.
Prag, die „goldene Stadt“ an der Moldau, wurde 1992 ins UNESCO-Verzeichnis des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen. Die tschechische Hauptstadt boomt, seit vor 18 Jahren die Demokratie eingeführt wurde.

 

Die goldene Stadt

Thomas Mann sagte über Prag: "Ich bin froh, wieder einmal hier zu sein, in dieser Stadt, deren architektonischer Zauber fast einzigartig unter allen Städten der Welt ist."
Trotz der sozialen und politischen Veränderungen, zog und zieht Prag Generationen von Literaten und anderen Künstlern an, sowie unzählige Touristen.

Die kleinen verwinkelten Gassen der Altstadt, die Ausstrahlungskraft des Veitsdoms, die Prager Kleinseite mit ihren prunkvollen Palästen und Kirchen, und die pulsierende Kunstszene machen Prag zu der magischen Stadt im Osten Europas. „Steingewordene Geschichte“ präsentiert sich hier auf kleinem Raum. Barocke Bauwerke sind allgegenwärtig, aber auch gotische Kirchen und Paläste gibt es in Prag. Das Nebeneinander der unterschiedlichen Stile macht den einzigartigen Flair Prags aus.

 

Kulturmetropole

Prag hat nicht umsonst den Ruf, eine der großen Kulturmetropolen zu sein. Zur Zeit Karls IV. stieg es zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen auf. Während der Ära Rudolfs II. kamen Künstler aus ganz Europa nach Prag, um dort zu arbeiten. Künstler aus Italien und Frankreich, Flandern und Deutschland trugen zum kulturellen Reichtum der Stadt bei.  Der Autor Franz Werfel prägte den Begriff "Drei-Völker-Stadt", in Prag trafen Tschechen, Juden und Deutsche zusammen - wenngleich nicht immer friedlich. Die daraus entstandenen kulturellen Leistungen beeinflussten den deutschsprachigen Raum nachhaltig. Die Musik Dvoraks und Smetanas gehört heute ebenso zum europäischen Kulturerbe wie das schriftstellerische Werk von Franz Kafka, Egon Erwin Kisch, Jaroslav Hasek und Jaroslav Seifert.

 

Nicht nur die schönen Künste wurden in Prag inspiriert: Wissenschaftler wie Kepler, Tycho Brahe und Einstein erforschten Bahnbrechendes.

 

Das heutige Prag bietet unzählige kulturelle Veranstaltungen wie klassische Konzerte vom großen Sinfonieorchester im Rudolfinum oder Kammermusik im Haus Zur steinernen Glocke. Auch Jazzlokale und Clubs prägen die Stadt, die Nächte sind hier lang. Die großen Kunstsammlungen der Stadt gewähren einen Einblick in die europäische Kunstgeschichte. Kleine Galerien und Kunstsammlungen zeigen die tschechische Kunst der Moderne. Die Prager Kaffeehauskultur entstand zwischen Belle Époque und dem Zweiten Weltkrieg. Wie in Wien wurden die Kaffeehäuser  zu gesellschaftlichen und kulturellen Zentren und inspirierenden Treffpunkten für Künstler und kreative Menschen. Dennoch richtete sich der Blick immer mehr nach Paris, „dem Kaffeehaus- und Künstler-Mekka“. Und obwohl Internet- und WiFi-Cafés weit auf dem Vormarsch sind, lohnt der Besuch eines der kleinen Kaffeehäuser, auf den Spuren von Franz Kafka oder dem späteren Literatur-Nobelpreisträger Jaroslav Seifert.

 

Sehenswürdigkeiten

Moldava

Die Moldau ist die „Lebensader“ der Stadt. Vom Ausflugsboot aus zeigt sich ein überwältigendes Panorama der Stadt: Vorbei am Salon der Expo 58, an der Prager Burg, der Karlsbrücke, dem Rudolfinum und am Nationaltheater. Von der Karlsbrücke ist die Halbinsel Kampa bereits zu erkennen, wo man gemächlich flanieren und das „alte Prag“ entdecken kann. Nicht umsonst wird Prag auch "Venedig an der Moldau" genannt.

Die Karlsbrücke zählt zu den ältesten Steinbrücken Europas, ihr Grundstein wurde am 9. Juli 1357 gelegt. Begrenzt von zwei Türmen führt sie über die liebliche Moldau und ist nur für Fußgänger geöffnet. Mit 16 Bögen verbindet die Karlsbrücke diverse Stadtteile miteinander, zahlreiche Heiligenfiguren säumen ihre Ränder.

Die Prager Burg ist seit über 1.000 Jahren das „politische und kulturelle Zentrum“ der Stadt. Mit ihren drei Schlosshöfen gilt sie als das größte geschlossene Burgareal der Welt. Im 9. Jahrhundert hat sich das Ausmaß der Burg immer wieder gewandelt. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde sie um den Veitsdom ergänzt, dessen Türme noch heute die Burganlage überragen. Im Veitsdom befindet sich die Kammer mit den böhmischen Kronjuwelen.
Zum Burgkomplex gehören die Heilig-Kreutz-Kapelle, die drei Ehrenhöfe, die Nationalgalerie, der Gedenkobelisk der Opfer des 1. Weltkriegs und das Goldene Gässchen. Rund um die Burg schlendern Spaziergänger in wunderschönen Gartenanlagen wie dem Königsgarten und dem Paradiesgarten. Die Prager Burg ist zudem die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

 

Altstädter Rathaus, astronomisches Ziffernblatt

Das Altstädter Rathaus, im gotischen Baustil errichtet, wurde Ende des 15. Jahrhunderts um die astronomische Uhr an der Südmauer erweitert. Einige Teile der Uhr sind jedoch noch älter, wie das astronomische Ziffernblatt, das aus dem Jahr 1410 stammt.  Im 17. Jahrhundert wurde die Uhr um bewegliche Figuren ergänzt: die Prozession der zwölf Apostel, die sich noch heute zu jeder vollen Stunde in Bewegung setzen.

Der Wenzelsplatz ist einer der größten Plätze Europas. Einst war er ein bedeutender politscher Versammlungsort der Republik und Schauplatz großer Demonstrationen, wie z.B. 1968 und 1989. Barock- und Jugendstilfassaden säumen den Ort, an dem heute Kaufhäuser, Bars, Hotels und Geschäfte ihre Waren anpreisen.

Am Altstädter Ring versuchen Straßenkünstler vor unzähligen Cafés ihr Glück. Das Altstädter Rathaus, die Teynkirche, der Palais (Golz)-Kinský, das Haus zur Steinernen Glocke und mitten auf dem Platz das Denkmal für Jan Hus, den Reformator, sind allesamt sehenswert.

 

Goldenes Gässchen

Die berühmteste Straße Prags ist das „goldene Gässchen“. Die Häuser in der kleinen Gasse sind so klein, dass man sich der kleinsten Straße der Welt zu stehen wähnt. Die kleinen Häuser wurden im 16. Jahrhundert gebaut, nach Anordnung des Kaiser Rudolph II. Zunächst waren es Unterkünfte für die Wachen. Später zogen hier zahlreiche Goldschmiede ein. Berühmt ist das Goldene Gässchen aus zwei Gründen: Hier sollen Alchimisten am Werk gewesen sein, die künstlich Gold und den Stein der Weisen herstellen sollten, und im Haus Nr. 22 hat Franz Kafka zwischen 1916 und 1917 gewohnt.

Prag von oben kann man vom Turm Petrin erleben. Er erinnert an den Eiffelturm, wurde er doch 1891, nur wenige Jahre nach Fertigstellung der französischen Variante, erbaut. Um auf den Turm steigen zu können, muss man erst einmal den Berg besteigen. Zu Fuß (299 Stufen gilt es zu erklimmen) oder mit der Petrin-Standseilbahn.
Der Alte Jüdische Friedhof zählt zu den bekanntesten jüdischen Friedhöfen Europas. Er liegt in der Prager Altstadt im alten jüdischen Viertel Josefov und wurde im 15. Jahrhundert angelegt. Im 18. Jahrhundert fand hier die letzte Bestattung statt.

Das Klementinum ist ein historischer Gebäudekomplex mitten in Prag, nahe der Karlsbrücke, das von der tschechischen Nationalbibliothek und einigen Instituten genutzt wird. Hier wurden 1775 die ersten Wetteraufzeichnungen auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik angestellt. Der barocke Gebäudekomplex ist ursprünglich ein Jesuiten-Kolleg. 1616 wurde das Klementinum zur Universität, bevor es 1654 mit der Karls-Universität vereinigt wurde. Im Klementinum entstand 1837 die erste Mozart-Gedenkstätte weltweit.

 

Das Tanzende Haus von Frank O. Gehry zählt zu den neuen Wahrzeichen der Stadt. „Wie eine Tänzerin im Kleid, die sich an einen Herren mit Hut kuschelt“ kommt der wellige Bau daher. Die Prager nennen ihn daher auch liebevoll „Ginger und Fred“, weil er mit seiner geschwungenen Linienführung an Ginger Rogers und Fred Astaire erinnert.

Das Nationaltheater (Národní Divadlo) gehört mit seiner reichen künstlerischen Tradition zu den wichtigsten tschechischen kulturellen Institutionen, prägte es doch maßgeblich die tschechische Sprache, Musik und Kultur. Gleich drei Ensembles sind hier am Werke: Oper, Ballet und Drama.

Die Sammlung moderner Kunst war einst im Sternberg-Palais untergebracht. Heute findet sich die Kunstsammlung des 19. und 20. Jahrhunderts - darunter Werke von Paul Cézanne, Marc Chagall, Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Pablo Picasso - im früheren Messepalast der Stadt.  Auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 80 000 m² sind auch tschechische Meisterwerke zu sehen, Zeichnungen von Josef Lada, Collagen von Jiří Kolář und Gemälde von Emil Filla.

 

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